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Probleme mit der persönlichen Schutzausrüstung (PSA) bei der …

Feuerwehrreport 73

Probleme mit der persönlichen Schutzausrüstung (PSA) bei der Schiffsbrandbekämpfung

Probleme mit der persönlichen Schutzausrüstung (PSA) bei der Schiffsbrandbekämpfung

Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Bei der Schiffsbrandbekämpfung und hier insbesondere während des Hubschraubertransfers sollen die Einsatzkräfte der Feuerwehren die Kälteschutzanzüge / Überlebensanzüge mit ETSO-Zulassung über der PSA für Brandschutz tragen. Über dieser Kombination muss der Winschgurt und darüber die Rettungsweste getragen werden. Um einen der Oberschenkel wird noch das Notatemsystem geschnallt.
Von dieser Kombination gehen eine Reihe erheblicher Gefährdungen für die eingesetzten Kräfte aus:
 Hyperthermie Durch die Kombination des Kälteschutzanzuges mit der PSA für Brandschutz besteht die Gefahr einer Hyperthermie bis hin zum Kreislaufkollaps. Bei einem Hubschraubertransfer sind mit Vorbereitung unmittelbar vor dem Boarding, dem Boarding selbst, Flug zum Havaristen und Abwinschvorgang schnell eine Stunde und mehr vergangen. Bereits bei normalen Außentemperaturen von 10°C - 15°C werden die Einsatzkräfte schon nach 10 Minuten starker Schweißbildung ausgesetzt sein. Da der Kälteschutzanzug keine Feuchtigkeit abgibt, kommt es zum Wärme- und Feuchtigkeitsstau (Saunaeffekt).
 Gefahr der Verbrühung / Verbrennung Durch den oben beschriebenen Saunaeffekt ist die PSA für die Brandbekämpfung in Folge des Hubschraubertransfers völlig durchnässt und für den Brandeinsatz im Innenangriff bis zu einer vollständigen Abtrocknung nicht mehr geeignet. Wird sie dennoch eingesetzt, besteht die akute Gefahr einer Verbrühung / Verbrennung.
 Gefahr des Ertrinkens bei Havarie des Helikopters Durch die Kombination des Kälteschutzanzuges mit der PSA für die Brandbekämpfung, die bauartbedingt einen hohen Eigenauftrieb hat, ist das Verlassen der Helikopterkabine nicht oder nur sehr schwer möglich. Der hohe Eigenauftrieb wird dafür sorgen, dass die Einsatzkräfte unter den oberen Bereich der havarierten Kabine gedrückt werden und diese nicht verlassen können. Den gleichen Effekt hätte eine ausgelöste Rettungsweste. Genau aus diesem Grund müssen alle Rettungswesten unmittelbar vor einem Hubschraubertransfer auf „manuell“ gestellt werden um nicht bei Wasserkontakt automatisch auszulösen.
 Mangelnde Bewegungsfreiheit und Probleme beim Anschnallen im Hubschrauber Durch die Kombination der PSA für die Brandbekämpfung und den anderen für den Hubschraubertransfer erforderlichen PSA´s (Kälteschutzanzug, Winschgurt, Rettungsweste, Notatemsystem), ist die Bewegungsfreiheit sehr stark eingeschränkt. Das Anschnallen im Hubschrauber ist nur schwer möglich.
Für die Kombination der PSA für Brandschutz mit dem Kälteschutzanzug gibt es unseres Wissens bisher keine Konformitätserklärung. Unabhängig hiervon, darf die Kombination von PSA nicht zu einer Gefährdung der Einsatzkräfte führen.

Die eigens gebildete Arbeitsgruppe der Fachgruppe Feuerwehr hat sich mit der Problematik beschäftigt und fordert die Beteiligten (Bund, Küstenländer, Havariekommando, kommunale Feuerwehren) zur Problemlösung auf. Die derzeitige Vorgehensweise muss umgehend eingestellt werden. Unseres Erachtens ist die Transportkapazität für den Hubschraubertransfer sofort zu erhöhen, damit eine zusätzliche Materialtasche mit der PSA für die Brandbekämpfung mitgeführt werden kann. Im Falle einer Brandbekämpfung muss die PSA für die Brandbekämpfung auf dem Havaristen oder auf einem der SUB-Schiffe, von denen aus operiert wird, angezogen werden. Ergänzend sollte die Beschaffung von Kälteschutzanzügen, die sich auch für den Außenangriff eignen, geprüft werden.
Erste Gespräche haben bereits stattgefunden.


Mario Kraatz                                          Arno Dick
(BFG-Vorsitzender)                              (BFG-Leiter)